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Vorgehen im Notfall

Welchen Beitrag kann die Ordinations​​-​assistenz leisten?

Herr E., ein langjähriger Patient der Hausarztpraxis, betritt auffallend blass die Praxis. Er möchte seine Medikamente rezeptieren lassen. Plötzlich bricht er am Schalter zusammen.

Manuela Rusek-Skrepsky
Manuela Rusek-Skrepsky
Ordinationsass. in einer allgemeinmedizinischen Praxis in Wien E-Mail:

Jeder Notfall in der Arztpraxis stellt eine Herausforderung für das gesamte Personal dar. Notfälle gehören glücklicherweise nicht zum Praxisalltag, dennoch ist es äußerst wichtig, im Ernstfall richtig zu handeln.

Notfallmanagement

Ein effizientes, gut strukturiertes Notfallmanagement macht es möglich, einen Patienten in einer Notfallsituation optimal zu versorgen. Denn eine Notfallsituation im medizinischen Sinn ist zumeist lebensbedrohend und macht ein schnelles Handeln erforderlich. Die eindeutige Klärung der Aufgaben im Notfall ist besonders wichtig.

Doch was soll geklärt werden? Geklärt werden sollte, wer was wann in einer Notfallsituation zu tun hat. Wie zum Beispiel: Wer holt den Arzt? Wer kümmert sich um den Patienten? Wer holt den Notfallkoffer oder andere wichtige Utensilien? Wer informiert die Rettung und weist ihr den Weg? Wer kümmert sich um die anderen Patienten und/oder gegebenenfalls um die Angehörigen?

Für jeden Notfall gilt der Grundsatz: Ruhe bewahren!

Notfallkonzept

Ein auf die Praxis zugeschnittenes Notfallkonzept, klare Zuständigkeiten und regelmäßige Teamschulungen helfen, für den Fall der Fälle gerüstet zu sein.

Notfallkoffer

Dem Patienten ist wenig geholfen, wenn sich das Praxispersonal um ihn herum versammelt, hektisch wird oder sich fragende Blicke zuwirft, bevor eine Ordinationsassistentin auf die glorreiche Idee kommt, den Arzt zu verständigen. Der Arzt verlangt den Notfallkoffer. "Wo ist denn der Notfallkoffer?" Nachdem er endlich gefunden und dem Arzt gebracht worden ist, präsentiert sich der Notfallkoffer in einem vernachlässigten Zustand und imponiert mit einem allgemeinen Durcheinander, sodass die erforderlichen Materialien erst nach Minuten zu finden sind. Wenn das Notfallsystem versagt und keiner der Praxismitarbeiter weiß, was er zu tun hat, ist Hektik vorprogrammiert.

Die wichtigsten Erkennungsmerkmale eines Notfalls

Diese sollten im Team mit dem Praxisinhaber praxisindividuell durchgesprochen werden. Die Anzeichen möglicher Notfälle sehen in einer internistischen Praxis ganz anders aus als beispielsweise in einer Praxis für Kinderheilkunde oder in einer Praxis für Allgemeinmedizin. Der Praxisinhaber sollte gemeinsam mit seinem Praxisteam Notfallsituationen analysieren und Kriterien zur Erkennung von Notfallpatienten festlegen. Damit ist für das Praxisteam ein Handlungsrahmen definiert und alle erforderlichen Maßnahmen können veranlasst werden.

Notfallplan

Das Aufhängen eines schriftlich verfassten Notfallplans, der für das gesamte Personal sichtbar ist und in dem alle Inhalte und Abläufe zur Versorgung von Notfallpatienten dokumentiert sind, erleichtert es allen, auf Notfallsituationen souverän, schnell und vor allem kompetent zu reagieren.

Checkliste über Notfallausstattung

Diese ist regelmäßig zu überprüfen. Die Inhalte der Notfallausstattung sind durch den Praxisinhaber individuell für die Praxis festzulegen. Eine Liste der Notfallausstattung ist ebenfalls zu führen und regelmäßig auf Vollständigkeit, Haltbarkeit der Notfallmedikation und Funktionsfähigkeit zu kontrollieren. Der Standort der Notfallausstattung ist jedem Mitarbeiter bekannt und im Ernstfall frei zugänglich.

Erste Hilfe

Jeder Mitarbeiter in einer Arztpraxis muss die Grundsätze der Ersten Hilfe beherrschen, sodass eine angemessene Notfallbehandlung durchgeführt werden kann.

Regelmäßige Teamschulungen unterstützen Mitarbeiter beim sicheren Verhalten in Notfallsituationen. Diese Schulungen sollten nicht nur theoretisch durchgeführt werden. In Form von praktischen Übungen erhalten Mitarbeiter Routine und Sicherheit im Umgang mit Notfällen.

Notfälle am Telefon erkennen und einschätzen

Die größte Herausforderung am Telefon ist, dass man den Patienten nicht sehen kann. Bei jedem Anruf muss die Ordinationsassistentin auf der Hut sein und die Dringlichkeit einschätzen bzw. abschätzen, ob ein Notfall vorliegt. Dies gelingt durch gezieltes Nachfragen, da Beschwerdebilder von Patienten unterschiedlich mitgeteilt, verharmlost oder vor Aufregung gar nicht mitgeteilt werden. Besondere Vorsicht ist geboten bei Thoraxschmerzen, Atemnot, Fieber über 39° C, heftigen Schmerzen, um nur einige Beispiele zu nennen. Bei solchen Informationen am Telefon ist das Gespräch in die Kategorie dringlich einzuordnen und unverzüglich der Ärztin/dem Arzt weiterzuleiten. Ein praxisindividuell schriftlich verfasster Notfallplan, der den Umgang mit Notfallpatienten am Telefon beschreibt, sollte in keiner Praxis fehlen.

Notfallprotokoll

Eingetretene Notfälle sollten in der Praxis in Form eines Notfallprotokolls lückenlos dokumentiert werden. Die Aufzeichnungen darüber, was genau geschehen ist, welche Maßnahmen eingeleitet wurden, was gegebenenfalls verbessert werden muss, sollte anschließend im Team besprochen werden. Die exakte Dokumentation eines Notfalls gilt auch zugleich als Beweismittel.